Unter „Transplant Oncology“ versteht man im weiteren Sinne die Behandlung von bösartigen Erkrankungen der Leber mit einer Lebertransplantation. Die Indikation zur Lebertransplantation basiert generell auf der Grundlage einer fortgeschrittenen Lebererkrankung mit manifester Fehlfunktion der Leber und den Begleiterscheinungen (z.B. Ösophagusvarizen). Eine solche Grunderkrankung mit dem Vollbild der Leberzirrhose ist auch die Basis auf der die überwiegende Mehrheit an bösartigen Lebertumoren entsteht.
Insbesondere das hepatozelluläre Karzinom (HCC), das 90% der primären Lebertumore ausmacht, ist dabei im frühen Krankheitsstadium eine häufige Indikation zur Lebertransplantation. Lange Zeit wurde als Hauptkriterium verwendet, ob sich der Tumor innerhalb der Milan Kriterien befindet (1 Tumor bis 5cm, maximal 3 Tumore bis maximal 3cm)1, wenngleich mittlerweile auch Patient:innen mit Tumoren die darüber hinausgehen und eine günstige Biologie vorweisen, Kandidat:innen für eine Lebertransplantation sind2, 3. Das zugrunde liegende Prinzip ist, dass durch eine Transplantation sowohl die Tumorerkrankung als auch der Hauptrisikofaktor, die Zirrhose, für das erneute Auftreten weiterer Lebertumoren gleichzeitig behandelt werden. Auf diesem Weg ist in vielen Fällen eine Heilung möglich, da die HCC Rezidivrate nach einer Transplantation mit 10-15% (innerhalb von 5 Jahren) deutlich geringer ist als nach einer einfachen Resektion (ca. 50-70%)4.
Jenseits des HCC findet die Lebertransplantation auch zunehmend bei anderen onkologischen Diagnosen Anwendung. Vielversprechende Daten zeigen, dass bei Patient:innenen mit Tumoren der zentralen und auch der peripheren Gallenwege (perihiläres / intrahepatisches Cholangiokarzinom) im sehr frühen Krankheitsstadium eine Lebertransplantation einen erheblichen Überlebensvorteil erbringen kann.
Ebenso konnte jüngst in einer sehr innovativen französischen Studie gezeigt werden, dass bei Patienten Lebermetastasen eines Dickdarmkarzinoms, die unter Chemotherapie größenkonstant sind und für die eine alleinige Resektion nicht in Frage kommt, eine Lebertransplantation in ausgewählten Fällen eine effektive Therapieoption darstellt5.
In allen Aspekten ist die Abteilung für Transplantation, die gemeinsam mit der Hepatologie und der Onkologie der MedUni Wien/des AKH sämtliche Patient:innen mit Lebertumoren in einem interdisziplinärenTumorboard bespricht und Patient:innenzentriert die modernsten Therapieformen evaluiert, gerne Ihr Ansprechpartner.
Bei Fragen zum Thema Transplant Oncology wenden Sie sich bitte an:
Transplantkoordination
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(Leber-/Nierentransplantation)
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Tel.: +43 (0)1 40400-40000
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Referenzen
1. Mazzaferro V, et al. Liver Transplantation for the Treatment of Small Hepatocellular Carcinomas in Patients with Cirrhosis. New England Journal of Medicine 1996;334:693-700.
2. Mazzaferro V, et al. Metroticket 2.0 Model for Analysis of Competing Risks of Death After Liver Transplantation for Hepatocellular Carcinoma. Gastroenterology 2018;154:128-139.
3. Bhoori S, et al. Efficacy of liver transplantation after response to atezolizumab-bevacizumab downstaging of intermediate and advanced hepatocellular carcinoma (ImmunoXXL). J Hepatol 2026.
4. Tabrizian P, et al. Recurrence of Hepatocellular Cancer After Resection: Patterns, Treatments, and Prognosis. Annals of Surgery 2015;261:947-955.
5. Adam R, et al. Liver transplantation plus chemotherapy versus chemotherapy alone in patients with permanently unresectable colorectal liver metastases (TransMet): results from a multicentre, open-label, prospective, randomised controlled trial. The Lancet 2024;404:1107-1118.